Sonntag, 6. Januar 2019
Ich ware gerade im Keller. Mir war langweilig und ich wollte in meinen alten Sachen kramen. Ich entdeckte einen Karton mit alten Briefen und Postkarten aus der Zeit um 1996.

Meine Oma hat mir geschrieben, meine Schwester, meine Mutter, mein Vater, meine jetzige Frau, meine Ex-Freundin, alte Studienfreundinnen, andere Freundinnen.

Manche vermisse ich, die Zeit und die Art der Verbundenheit, freundschaftlich und verdammt lustig.

So war ich auch für sie. Hilfreich, unterhaltsam, ein guter Freund. Niemand wusste von meinen intimen Gedanken, Leidenschaften und Gefühlen, mit Ende Zwanzig redet man nicht davon. Falsch: ich redete nicht davon.

Erst viel später gestand ich es mir selbst ein, schrieb es auf, nahm meinen Mut zusammen und fing an zu reden. Es knackte und knirschte und bröckelte ab.

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Abgesehen davon, daß man sich verändert, denke ich doch, daß die "Moderne Zeit" teils ein Fluch ist.
Vor lauter Modernität hat kaum noch wer Zeit (oder gar Lust) sich hinzusetzen und Briefe (könnt ja auch ein Mail sein) zu schreiben.

Alles muß hopp&floott gehen. Und einfach - am besten gleich ein unpersönliches MassenSMS, nur um sagen zu können "hab mich ja eh gemeldet".
Auch diese tausend Bilder aus dem Urlaub (währenddessen) - ich hab nun einen Riegel vorgeschoben, und die MMS an mein Handy unterbinden lassen. Davon gabs aber eh nur max 20/Jahr.

Manche können schon in den 20ern reden, manche lernen es hoffentlich später. Besser spät, als nie : )
Oder schreiben - wenns reden nicht so sehr liegt. Da schließt sich wieder der Kreis.

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Heute haben wir eine Familiengruppe in Threema und das ist sehr lustig und sogar meine Mutter hat seit einem Jahr endlich ein Smartphone und tippt selbst! Mit alten Freundinnen hätte ich auch digital weitermachen können, aber das hat sich tatsächlich verlaufen.

Aber was wirklich beeindruckend an den Briefen ist: wie viel auf drei Seiten vollgeschrieben stand, mit Sprüngen und Brüchen, offenen Gedanken und netten Komplimenten. Das bekomme ich tatsächlich nicht mehr.

Analog ist da tatsächlich viel mehr drin gewesen. Viele individueller und ästhetisch freier, Schriftbild, schiefe Zeilen, Papier mit fühlbarer Oberfläche.

Oft allerdings habe ich bei den Briefen auch gedacht: Will ich das wirklich alles so genau wissen?

Digital ist man formal viel eingeschränkter.

Zeit hätte ich eigentlich.

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Einige (oder fast alle) meine sehr langen Brieffreundschaften haben sich mit dem Wechsel zur digitalen Korrespondenz ziemlich fix verlaufen.
Leider.

Ich denke ja, weil es zu viel insgesamt ist. Ich hab auch grad 8 Mails gehabt, davon paar wirklich nur bla, aber es kostet alles Zeit.
Da fehlt mir dann oft die Geduld, mich mit den privaten Mails zu beschäftigen. Ich schreib davon ganz viele im Kopf, aber halt "aufs Blatt" bring ich die dann nicht, weil keine Lust auf die Kiste, oder zu müde, oder grad keine Zeit usw.

Also damit will ich sagen - ich sehe auch an mir, daß mir analoge Korrespondenz mehr liegt.

Außerdem nimmt man sich bei digital auch teils extrem zurück. Ich hab letztens die Hälfte eines Mails gelöscht und nur die Version 5.2 8 (sehr handzahm) dann abgeschickt. Die Selbstzensur, das ist dann schon auch... so eine Sache.
Wobei ich auch bei Mails und in Blogs ewig schwafeln kann *gg*

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