Mittwoch, 1. Juli 2026
Ich bin ohne Energie, es hat zwar etwas abgekühlt, aber es ist drückend.

Ich war zweimal im Kino, Michael und Backdoors. Beides ganz nett, vor allem war es angenehm kühl im Kino. Nicht mal Lust, mir über Backdoors weitere kritische Gedanken zu machen. Über Michael habe ich mir genug Gedanken gemacht und die ZDF-Doku angesehen.

Ich komme auch nur schleppend mit meinem Buch voran und zu meinem Tanzunterricht kann ich mich kaum aufraffen. Ich habe heute geschwänzt.

In Mir-doch-egal-Stimmung gerade.

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Freitag, 26. Juni 2026
Ich hatte heute Urlaub. Weil es heute 38 Grad waren, wollte ich ins Schwimmbad, konnte aber meine Badehose nicht finden. Die habe ich wohl letztes Wochenende am Pool vergessen.

Ich fuhr in die Stadt und kaufte eine Ersatzbadehose und ein Handtuch. Ich hatte nämlich auch vergessen, ein Handtuch einzupacken.

Mittlerweile hatte ich Hunger und aß etwas beim Asiaten.

Die Züge und Busse fuhren zum Teil nicht. Strecken mussten gesperrt werden, weil durch die Hitze Gleise und Wege beschädigt waren. Ich kam auf Umwege zum Schwimmbad und suchte mir ein Plätzchen unter einem großen Baum. Mein Trink-Wasser war langsam fast leer.

Die Badehose hatte ich zu klein gekauft, ich habe seit ein paar Jahren eine Nummer größer, woran ich mich nicht gewöhnen kann, Unterhosen oder Badehosen kaufe ich selten. Überhaupt trugen alle Männer große, weite Badeshorts, niemand eine einfache, enge Short wie ich, schon gar nicht Slip. Schon gar nicht eine Nummer zu klein. Enge Badehosen für Männer sind genrell völlig out. Die Frauen tragen jedoch alle enge Bikinis und haben so wenig Stoff wie möglich. Das genaue Gegenteil.

Mit der Hose konnte ich jedenfalls unmöglich ins Wasser, also blieb ich in meiner schattigen Ecke. Ich hörte mein Hörbuch und schlief unter dem Baum ein. Nach einer Stunde packte ich meine Sachen ging wieder.

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Donnerstag, 25. Juni 2026
Im Büro ist es kühler als zuhause. Zur Mittagspause hole ich mir nur einen Salat. Die Kollegin hat eine Freundin zu Besuch, die mit uns zu Mittag isst. Wir unterhalten und und je mehr sie erzählt, desto größere Herzchenaugen bekomme ich. Sie spielt Klavier und besucht Abend-Kurse an einer Kunstschule. Ich hätte mich noch ewig mit ihr unterhalten können, über Tanz, Musik, Kunst, Geld verdienen, über die Runden kommen, alles. Leider war die Mittagspause vorbei.

Nach der Arbeit gehe ich ins Yin-Yoga. Ich habe den Nacken so sehr verspannt, dass ich Schwindel, Kopfschmerz und einen Tinnitus bekommen habe. Auslöser waren diese blöden Schulterrollen im Contemporary, zu viel Kaffee, Bildschirmarbeitsplatz, Alkohol am Wochenende. Ich konnte den Kopf ohne Schmerzen nicht bewegen und geknirscht hat es auch. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren.

Die Symptome waren so heftig, dass ich dachte, ich habe einen Hirntumor, Arthrose, Rheuma, Nerven kaputt, Totalschaden.

Einen Monat später ging ich zum Orthopäden, weil es kein Stück besser wurde. Er hat mich gerönt und vermessen, meinte, da sei alles in Ordnung, das sei Stress und verschrieb mir manuelle Therapie.

Ich suchte mir eine Praxis, die ultraschick und modern aussah und alle Mitarbeiter*innen wie Fussballcoaches aussahen. Mein Physiotherapeut war auch tatsächlich so.

"Normalerweise kann man in deinem Fall nicht viel machen, aber bei dir habe ich Hoffnung". Der Sympathikus sei permament unter Hochspannung, ich solle als erstes den Kaffee weglassen.

Der Entzug war die Hölle, ich habe drei Tage lang Ibuprofen eingeworfen, weil mir alles weh tat, ich schlief stundenlang. Den ersten Tag konnte ich überhaupt nicht arbeiten. Das wurde dann besser, aber ich merkte, wie ich lernen muss, runterzukommen, und zwar so richtig. 24 Stunden am Tag nüchtern und ruhig zu bleiben.

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Mittwoch, 24. Juni 2026
Ich habe mir Kleidung bestellt. Eine zweite kurze Hose muss her, und T-Shirts, die nicht schwarz sind, und weiße Sneakersocken, weil jedes Stück Stoff zu viel ist. Wäre ich eine Frau, trüge ich Kleider, Kleidchen wahrscheinlich. Am liebsten trüge ich eine kühlende Schutzschicht, die den Körper nicht betont, sondern angenehm umschmeichelt.

Im Büro geht es mit der Wärme. Ich bin nur leider extrem unmotiviert. Seit April bin ich im Betriebsrat. Es wollte niemand und jemand muss ja. Weil ich Quotenmann bin, war ich auch ohne Stimme drin, habe dann aber trotzdem normal Stimmen bekommen. Meine Kolleginnen sind super. Die Vorsitzende bekomme gerade ihr Kind, deshalb muss ich für ein halbes Jahr den Vorsitz übernehmen.

Jetzt habe ich zwei Schulungen hinter mir, zwei dicke Bücher neben mir liegen, ArbG und BetrVG, dessen Inhalt ich Claude gegeben habe, der mir das für Obsidian aufbereitet hat, damit ich dort nach Themen und Schlagwort suchen kann. Wir brauchen die Gesetz nicht, bei uns liegt der Schwerpunkt im Vorfeld: Kommunikation und Information. Miteinander reden ist immer gut. Was aber leider auch dazu gehört, ist Dokumentation. Alles wird protokolliert, unterzeichnet, abgelegt. Ist mir schon klar, dass das wichtig ist, aber wieso ich? Ich bin Künstler, Schöngeist, Freigeist, ich leben nach dem Motto "Was kümmert mich mein Gerede von heute morgen?!" Ich sitze mit Rotwein an der Côte d’Azur und genieße die Meeresbriese während mein Ferrari abkühlt und lese Bücher, abends treffe ich mich mit Freunden und mache Musik, während die Grillen zirpen. Im Garten wächst das Cannabis und Schmetterlinge setzen sich an den Rand meines mit dunkelrotem, öligem Wein gefüllten Weinglases.

Ich gehe dann mal die Anwesenheitslsten und Protokolle abheften, gehe die Mails durch und bereite die Sitzung für Morgen vor.

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Montag, 22. Juni 2026
Huch, ging das Jahr schnell rum.

Es ist heiß, aber wem sage ich das?!

Ich gehe gleich in den Ballettunterricht. Völlig verrückt bei der Hitze.

Ich bin da eher zum Spaß, wegen des Lehrers, meines alten Ballettlehrers, der im Sommer jetzt aber wirklich mit Mitte 70 aufhört. Und wegen meiner alten Ballettfreundin M., einer der reizendsten, nettesten Menschen, den ich kenne ... die ich kenne. Ich brauchte das, um mein Herz aufzufüllen.

Nach so viel Jahren beide wiederzusehen und wieder in den alten Räumen zu sein, ist, als wenn man sich wieder als 7-Klässler in die Schule setzt, als wäre nichts geschehen.

Aber M. hat inzwischen geheiratet und hat zwei Kinder und inzwischen haben sich unsere Themen geändert. Alkoholverzicht, Beckenbodenprobleme, die Kinder.

Schön, sie für ein Jahr wiedergesehen zu haben, aber es ist ganz gut, wieder zu gehen. Ich habe es sehr genossen.

Das war aber auch eine bewusste Entscheidung von mir: mit netten Menschen, die mir gut tun, Kontakt zu halten. Das habe ich mir hinter die Ohren geschrieben, Zeit mit Menschen zu verbringen, die nett zu mir sind, und die sich freuen, wenn ich nett zu ihnen bin, mit denen ich offen mit Herz und Humor umgehen kann, und die habe ich, und das weiß ich sehr zu schätzen.

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Sonntag, 13. Juli 2025
Aaaaaaaaah!
Ich habe alle alten Beiträge gelöscht. So kann ich besser weiterschreiben. Es ist ja nicht so wichtig, was genau in der Vergangenheit passiert ist, sondern, was ich mitgenommen habe, wie mich die Vergangenheit jetzt gerade beeinflusst und damit meine Zukunft.

Ob alles per Definition relativ ist, ist nicht wichtig, hier zählt nur unser sprachlicher Teil des Bewusstseins. Sprache folgt eigenen Gesetzen und Regeln.

Mein Bedürfnis, etwas in die Welt hinauszuschreien, ist manchmal sehr groß. Und manchmal bin ich dankbar für das, was andere in die Welt schreien. Dann weiß ich, dass ich damit grundsätzlich nicht alleine bin.

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