Samstag, 23. September 2017
Die Hecke ist geschnitten, auf's Unkraut habe ich Salzwasser gegossen und hoffe, es verwelkt. Der Nachbar hat sich schon beschwert, weil seine saubere Hälfte des Parkplatzes mit unserem Unkraut überwuchert wird. Der hat eine Pflanzenphobie, ich wünsche ihm Fußpilz und Milbenbefall, damit er mal wieder einen Bezug zur Natur bekommt.

Einkaufen war ich auch und habe das Lieblingsessen für die Kinder gekocht: Nudelauflauf. Mit Rigatoni, Tomatensoße aus Fleischtomaten, Hackfleisch in Zwiebeln und Butter angebraten, Mozarella. Es war sehr lecker. Ich muss jetzt noch ein bisschen verdauen, damit ich mich nachher auf dem Boden rollen kann.

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Donnerstag, 21. September 2017
Montag ging ich vor dem Training bei der Drogerie im Bahnhof vorbei, um mir etwas zu trinken zu kaufen. Plötzlich steht M. vor dem Regal. Mir rutscht das Herz in die Hose. Ich gehe zu ihr und sage Hallo. Sie strahlt überrascht und umarmt mich. Ich glaube, sie hat sich ernsthaft gefreut. Als ich bereits die Umarmung löse, hält sie noch fest. Ich bin immer noch überrascht und nervös.

Ich stelle ihr Fragen zum Sommer, wie es war. Gut, sagt sie, und korrigiert: Ja, O.K. Ich erzähle von unserem Urlaub. Ich muss genau so unnahbar wirken, wie sie auf mich. Das Reden miteinander wirkt immer wie ein unsicheres Tasten. Ich habe immer Angst, etwas Falsches zu sagen. Es liegt auch an mir.

Ich nehme all meinen Mut zusammen, und sage, dass ich mich freue, sie wieder zu sehen. Sie erwidert nichts.

Wir gehen zusammen in den Unterricht, sehen uns an, lächeln uns an, tanzen nebeneinander, reden miteinander. Sie berührt mich, als sie etwas zu mir sagt.

Während der Stunde bekommt sie eine Nachricht, am Ende der Stunde verschwindet Sie, sagt, dass sie sich beeilen muss. Entweder würde ich mich auch beeilen oder sie sei weg.

Draußen ist sie schon an der Tür, bleibt noch mal stehen und verabschiedet sich. Sie wisse nicht, ob sie nächsten Montag komme. Wie bitte?! frage ich theatralisch. Sie erklärt mir irgend etwas, aber ich höre kein Wort. Ich gehe auf sie zu und als ich beinahe bei ihr bin, springt sie zu mir hin, umarmt mich und wirft einen ihrer Luftküsse an mein Ohr vorbei. Ich küsse sie wie immer warm auf die Wange.

Ich warte, damit sie vorauseilen kann und ich sie nicht mehr sehe.

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Sonntag, 17. September 2017
Alles steht und fällt mit der Lust darauf eine Grenze zu überschreiten.

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Samstag, 16. September 2017
K. will nicht wissen, wie es mir geht, sie will wissen, ob ich funktioniere.

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Der Sommer und die Ferienzeit sind vorbei, Alltag und Tanzunterricht beginnen wieder. Ich wollte mich mal intensiv dem Thema Sexualität widmen, und ich muss es auch tun, aber ich hänge gerade.

Ich entdecke gerade die winzig kleinen Bewegungen. Ich merke gerade, wie ich den großen, groben Bewegungen wenig abgewinnen kann. Und wenn, dann nur als echten Ausdruck.

Es ist schwer zu erklären und wahrscheinlich auch furchtbar langweilig und uninteressant für andere. Denn es geht ja nur um mich und meinen Körper.

Aber nehmen wir mal die Krankengymnastik am Mittwoch. Man hätte die Analyse meines Körper auch viel distanzierter ausführen können, aber sie hat so nah und Millimeter für Millimeter meinen Körper gelesen, was einen himmelweiten Unterschied macht.

Und genau so mache ich gerade Yoga und genau so tanze ich (schon länger). Die kleinen, winzigen Gesten erkunde ich. Und beim Yoga probiere ich gerade Yin Yoga, was mir die Verhärtungen im Oberschenkel- und Hüftbereich löst.

Ich merke, wenn ich genauer und länger und intensiver und näher, bin merke ich viel mehr und komme der Sache (dem Schmerz, der Verhärtungen und auch der Möglichkeiten) viel mehr auf den Grund.

So, und jetzt will K. mit mir heute zum Swing und ich kann ihr nicht verständlich machen, weshalb das gerade jetzt furchtbar unangenehm ist, weil es zu grob ist, ein anderes Denken erfordert. Vielleicht verbindet uns es, aber nicht so, wie ich es mir wünschen würde.

Sie ist furchtbar enttäuscht, weil es etwas ist, was ihr mit mir Spaß macht.

Ich bin im Moment für diesen Spaß gerade schlecht zu haben.

Entweder komme ich rein, oder es ist tatsächlich und ernsthaft eine Phase.

Wenn tatsächlich das Yin Yoga der Auslöser war, trete ich zum Yoga-Glauben über. Ich wäre nicht der erste Tanzende, der vom Ballett/Modern zum Yoga kommt.

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Mittwoch, 13. September 2017
Ich mag meinen Orthopäden. Wir sind uns ähnlich, so alt wie ich und ebenso quirlig und drahtig. Er hat früher für die Army gearbeitet. Kein Wort zu viel, aber aufmerksam und kompetent. Ich schilderte ihm mein altes Leiden: ein Schmerz in der rechten Schulter, am Wirbelsäulenansatz, was sich vor allem beim Ballett und Training bemerkbar macht.

Er legte mich auf den Bauch, meinte, ich soll mich entspannen und brach mir das Rückgrat renkte mich ein. Außerdem verschrieb er mir Physiotherapie.

Ich suchte die nächstbeste, die von der Arbeit gut zu erreichen ist, gleich um die Ecke ist eine Praxis, die einen modernen, klinischen Eindruck macht mit vielen Mitarbeiterinnen. Ich mag diese kuscheligen Praxen nicht. Wenn es um den Bewegungsapparat geht, dann betrachte ich mich wie Robocop, Terminator oder Iron Man. Ich brauche eher so Sport-Charakter.

Die Physiotherapeutin ist nett, sympatisch, jung und attraktiv. Das ist O.K., denke ich mir, damit habe ich kein Problem. Sie untersucht mich eingehend, tastet mich ab, betrachtet mich genau.

Sie zieht ihre dünne Fleece-Jacke aus, unter der sie ein enges, langärmliges T-Shirt trägt. Ich sitze auf der Bank, sie stellt sich vor mich hin und nimmt meine Beine zwischen ihre. Ich versuche nicht auf ihre Brüste zu sehen, was unmöglich ist, weil sie sich zehn Zentimeter vor meinem Gesicht befinden.

Nach links neigen, nach rechts neigen. "Merken Sie den Unterschied?" fragt sie. Ich merke gerade gar nichts mehr. Ich sehe nur noch zwei große, feste Brüste.

Sie ist gut, sie nimmt sich Zeit und ist sehr genau. Ihr kühlen Finger tasten jeden Millimeter meines Oberkörpers ab und als würde sie mit den Fingern lesen, kommt sie dem Problem auf die Spur.

Das jahrelange, einseite Tragen des Rucksacks hat meinen Rücken verkrümmt und meine Schulter falsch belastet.

Sie zeigt mir noch eine Übung, die ich zu Hause machen soll. Ab und zu lächelt sie nett und macht kleine, ironische Bemerkungen, die den Ansatz eines wunderbaren, dreckigen Lachens erkennen lassen.

Wie ein alter Zen-Meister konzentriere ich mich auf die Untersuchung und Prozedur. Schließlich will ich den Schmerz weg haben.

Sie wird beim Anblick meines Körpers nur gedacht haben: Ah, ein Körper, mit dem ich gut arbeiten kann. So wie ein Tischler ein Stück Holz beurteilt.

Was ich gedacht habe, will sie nicht wissen.

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Samstag, 9. September 2017
Im Urlaub habe ich endlich wieder die Ruhe und Konzentration zum Lesen wieder gefunden. Ich besitze so viele ungelesene Bücher.

Als nächstes habe ich "Carrie" von Stephen King gelesen. Der Film von Brian de Palma hat mich damals sehr beeindruckt. Nichts hat mich so sehr an die extremen Gefühle und Themen herangeführt, wie die vielen tollen Filme, die ich damals gesehen habe. Ich sehe das heute so in den Filmen nicht mehr.

Gestern hatte ich das Buch vergessen, als ich zum Frisör fuhr. Deshalb stieg ich unterwegs in der Stadtbücherei aus und holte mir schnell ein neues raus. Isadora Duncans Autobiografie. Ich las die erste Seite, war sofort begeistert und lese es jetzt anschließend.

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Freitag, 8. September 2017
"Die Erziehung des Mannes" fertig gelesen. Ein sehr gutes Buch. Ein Roman, der sehr realistisch den Lebens- und Liebensweg eines Mannes beschreibt.

Den Titel so allgemein zu wählen, weckt einen hohen Anspruch beim Lesen, und ich finde, der Roman wird dem gerecht. Das heißt nicht, dass der Roman Allgemeingültigkeit beansprucht, sondern eine schlüssige Erzählung über einen Mann und die Liebe ist.

Ich denke ja mittlerweile, dass sich Liebe beim Mann immer in Form von Musikalität zeigt, und dass Musikalität, genau so wenig wie Liebe, kein Talent ist. Würden wir Fähigkeiten ausschließlich auf die Genetik abschieden, wären wir armselige Idioten. Würden wir allerdings daran arbeiten, wie Menschen damals an Kathedralen gearbeitet haben*, dann haben auch die nachfolgenden Generationen etwas davon, auch wenn wir im Laufe unseres Lebens nie zu einem Ziel kommen oder nur mittelmäßige Ergebnisse bringen.

Kumpfmüller schreibt in dem Buch:
"Er (der Sohn der Hauptfigur, die Komponist ist) war das musikalischste meiner Kinder. Er wusste, dass es schwer zu entziffernde Tiefenstrukturen gab, eine Vielzahl gegenläufiger Stimmen, dass das Wenigste offen zutage lag."

*Als ich damals in der Schule vom Bau der Kathedralen hörte, war für mich die einprägsamste Erkenntnis, dass die Menschen an etwas gearbeitet haben, dessen Ergebnis sie nie sehen werden. Das war für mich, der ich immer alles sofort haben will, ein Schock.

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Donnerstag, 7. September 2017
Die Katze hat sich sehr über unsere Rückkehr gefreut. Sie wollte lange von mir gekrault werden und ausnahmsweise mal nicht nur gefüttert.

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Mittwoch, 6. September 2017
Der Anfang aller Menschlichkeit sind Trost und Berührung. Sonst wird man nicht viel mehr als Verständnis aufbringen.

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Dienstag, 5. September 2017
Gestern mit der Tochter Steine und Muscheln gesammelt. Wir waren ewig unterwegs. Während dessen habe ich dem Meer alle Lieder vorgesungen, die ich halbwegs kannte.

Ich fühlte mich so frei und unbeschwert wie früher. Noch früher. Viel früher. Als ich noch mehr bei mir war und nicht so sehr bei anderen.

Da muss ich wieder hin. Zurück zu mir.

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Montag, 4. September 2017
"Und?", fragt K., "Wie findest Du es mit uns Vieren?"

Wir sind dieses Jahr ohne das befreundete Paar in den Urlaub gefahren. Die Kinder haben also nur uns und sich. "Etwas anstrengend", sage ich. Ich nehme gar nichts richtig wahr. Ich komme gar nicht dazu, weil ich ständig bemüht bin, es den Kindern recht zu machen. Ich nehme mir Zeit zum Lesen. Ich bin so seltsam emotionslos, immer leicht angespannt, nicht richtig präsent. Dabei ist alles toll hier. Ich verstehe mich mit K., wir finden Zeit zum Lieben, lösen Konflikte schnell.

Es knirscht, aber wir kommen jeden Tag etwas besser miteinander klar. Es entspannt sich etwas.

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Sonntag, 3. September 2017
Ich beobachte, wie sich Menschen bewegen. Wenn ich jemanden sehe, der sich kraftvoll, bewusst und fließend bewegt, werde ich aufmerksam.

M. bewegt sich wie ein Kerl, sagte ein Freund zu mir, dem ich ein Video zeigte. Das stimmt lache ich, lässig, weich, männlich. Wenn wir uns bewegen, sprechen wir eine Sprache.

Wenn man tanzt, spricht man immer eine Sprache, aber oft unterschiedliche Dialekte, manche versteht man nicht.

Aus der Bar dröhnt Shakira auf den Marktplatz. Einige Frauen deuten Tanzbewegungen an. Ich auch. Zwei junge Frauen gehen an mir vorbei, die eine wirft mir einen Blick zu, den ich gerne in einer Schatztruhe aufbewahren würde.

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Freitag, 1. September 2017

Heute ein romantisches Bild vom Meer.

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Zwei Eigenschaften mag ich an Menschen sehr: Charme und Sanftheit. Sie machen mir Menschen sympathisch. Und nur mit sympathischen Menschen möchte ich Intimität teilen. Sehr selten kommt es zu solchen Situationen.

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Donnerstag, 31. August 2017
Ich habe das Buch (Sex, die wahre Geschichte) fertig gelesen. Christopher Ryan und Cacilda Jethá legen fundiert und schlüssig dar, weshalb Menschen nicht monogam sind und wie es zum Konstrukt der Monogamie kam. Der Biologe und der Liebende in mir haben jetzt noch ein Lächeln auf dem Gesicht.

Ein echtes Aufklärungsbuch.

Direkt im Anschluss lese ich Michael Kampfmüllers Die Erziehung des Mannes. Ein Roman, auch wenn der Titel anderes vermuten lässt.

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